KLANGSTUFEN

Dähn
Feßmann
Kniel

meet

Hesse

Stein

Dies hier sagte er spielend, und er wird in einer bestimmten Zeit vielleicht Erde sein und wird aus Erde Pflanze werden, oder Tier oder Mensch.
Früher nun hätte ich gesagt: Dieser Stein ist bloß ein Stein er ist wertlos, er gehört der Welt der Maja an; aber weil er im Kreislauf der Verwandlungen auch Mensch und Geist werden kann, darum schenke ich auch ihm Geltung, so hätte ich früher vielleicht gedacht.
Heute aber denke ich: Dieser Stein ist Stein, er ist auch Tier, er ist auch Gott, er ist auch Buddha, ich verehre und liebe ihn nicht weil er einstmals dies oder jenes werden könnte, sondern weil er alles längst und immer ist und gerade dies, daß er Stein ist, daß er mir jetzt und heute als Stein erscheint, gerade darum liebe ich ihn, und
sehe Wert und Sinn in jeder von seinen Adern und Höhlungen, in dem Gelb, in dem Grau, in der Härte, im Klang, den er von sich gibt, wenn ich ihn beklopfe, in der Trockenheit, oder Feuchtigkeit seiner Oberfläche.

Es gibt Steine, die fühlen sich wie Öl oder wie Seife an und andere wie Blätter, andere wie Sand, und jeder ist besonders und betet das OM auf seine Weise, jeder ist Brahman zugleich aber und eben so sehr Stein, ist ölig oder seifig und gerade das gefällt mir und scheint mir wunderbar und der Anbetung würdig.

Hermann Hesse

 
Das Konzept

Ausgangspunkt des gesamten Konzepts ist die Verbindung der Musik von KlangSteine mit der Person Hermann Hesse und der ihn symbolisierenden Stimme. Die Stimme wird präsent durch die Tondokumente, die von H.Hesse vorliegen, bis heute aber nicht in dieser Form veröffentlicht sind. Sie wird, als komponierte „Collage“ live eingespielt, immer wieder verändert.

Grundlage für die Veränderung ist der Platz, der Ort, die Stelle, an welcher H.Hesse jeweils lebte und an welcher er seine jeweiligen Werke verfasste. Diese Orte, diese Plätze sind, chronologisch geordnet, Aufführungsorte.
Sein Leben, Sein und Werk wird als Netzwerk erfahrbar, erlebbar und spürbar.
Im Mittelpunkt der musikalischen Seite des Konzepts steht die Gruppe KlangSteine Dähn Feßmann Kniel und Hermann Hesse durch seine STIMME.
Dieses QUARTETT bildet das Zentrum des kompositorischen Denkens. Die komponierten Teile sind Module, die sich verändern, je nachdem, auf wen oder was sie stoßen. Es sind kleine Einheiten, potentielle Möglichkeiten einer Existenz. Sie verändern sich, je nachdem wessen Planetenbahnen sie kreuzen, sie sich ausgesetzt sehen, in welchen Spannungsrahmen sie geraten. In die Lebensbahnen H.Hesses, die Landschaften, in welchen er sich erlebte, die Dörfer und Städte, in welchen er sich erfuhr, die Personen und Persönlichkeiten, zu denen er und wo er Beziehungen aufbaute, zu den Ideen, an die und warum er dahin geriet, zum Tempo seines Lebens, zur Zerrissenheit seiner Existenz bis hin zur Glasperlenspielausgeglichenheit des Montagnolaners. Diese Netzwerke sind sichtbar, nachprüfbar, spürbar, sie werden durch das QUARTETT erlebbar, sie werden zumindest Kastalien sein, mit Demian korrespondieren, den Morgenlandfahrern auf den Fersen sein und auch mit fünfzig noch Steppenwolf bleiben.

Diesen Hermann Hesse haben wir vor, in einer 3 D-Installation in unser Ensemble zu integrieren.
Uraufgeführt beim Hermann Hesse-Festival in Calw 2002