ENSEMBLE KLANGSTEIN
Die Musik

Klaus Feßmann taucht seine Hände in die großen Wasserschüsseln, die neben
den KlangSteinStelen auf dem Boden stehen, befeuchtet den KlangStein von
allen Seiten, legt die Hände auf den Stein und beginnt mit einer leichten Berührung
und vorsichtigem Suchen dem Stein tiefe, brummende, flirrend hohe, weiche bisher
ungehörte Klänge zu entlocken. Es ist nicht möglich, diese umfangreichen, reinen
Klangspektren einzuordnen, es ist nicht möglich sie zu orten, sie halten sich lange
im Raum, sind körperlich spürbar.

Friedemann ´Fried` Dähn mischt sich unhörbar in den Steinklang ein, verstärkt ihn,
weitet ihn in den Raum und etabliert seine eigenen Klangräume, seine sphärischen
Weiten. Mit seinen subtil sich entwickelnden Klangschichtungen strukturiert er die Un-
endlichkeit der Steinklänge, baut die zeitlose Mehrstimmigkeit. Sein selbstentwickeltes
elektrisches Cello ist der kongeniale Partner für diese Klanglichkeit, das akustische Cello
nähert sich in der spezifischen Spielweise Fried Dähns immer wieder diesem
elektronischen Klang und läßt ihn vollständig eigene Klangwege gehen.

Manfred Kniel liefert mit seinem umfangreichen Schlagwerk aus Wasser und Stein
viel mehr als rhythmische Akzente. Kiesel reiben aneinander, knirschen beim
Zusammenprall, werden getreten und beklopft. Felsbrocken werden mit Kieselsteinen
auf dem Wasserbad in steeldrumähnliche Klangerzeuger verwandelt. Zwei
Wasserschalen sind der Ausgangspunkt für die faszinierende, noch nie gehörte
Klangwelt des Wassers, welches bis zum letzten Tropfen ausgespielt wird.
Das einfache Rohr wird zum Didgeridoo, Blasinstrumente der unterschiedlichsten,
archaischsten Art zeigen lassen einen Musiker erleben,der auf der höchsten Ebene
mit allen erdenkbaren komplexen Rhythmen und allen Materialien umgeht.



Klaus Fessmann Manfred Kniel Friedemann 'Fried' Dähn





Die Geschichte

Klaus Feßmann Fried Dähn Manfred Kniel
begannen in dieser Besetzung vor 9 Jahren mit der Entwicklung der Musik
aus den Steinen. Friedemann Dähn und Klaus Feßmann spielen seit 12 Jahren
zusammen, hatten ihre ersten musikalischen Erfahrungen miteinander im
Kloster Beuron im Donautal, wo mit der dortigen Schola zusammen die
ersten Stein- mit den Cello-klängen verschmolzen.

Das zentrale Erlebnis gegenseitiger musikalischer Verwandtschaft fand
in einer schon leicht kalten Oktobernacht gegen 2 Uhr morgens im Kloster
mit einer gemeinsamen Komposition für akustisches Cello und präpariertem
Flügel statt. Ab hier begann der Weg des kongenialen Arbeitens zweier
sehr eigenwilliger Musiker, die ihre Eigenwilligkeit im Konzert zu höchster
Kongenialität vereinigen.

Die KlangSteine von Klaus Feßmann gaben im weiteren Verlauf das Tempo vor,
die Richtung der Musik. So wie die Steine ihre Klänge hergaben, entstand
die eigene Phantasie, die Kreativität, die Vorstellung einer neuen Art von Musik.
Einer Musik, in welche all das einfließt, was die bisherige musikalische Biographie
erbrachte und die sich an den Steinen mass.

Das Drumset, welches Manfred Kniel mitbrachte, erübrigte sich nach Minuten,
die ersten Steinschlaginstrumente entstanden am Neckar in Tübingen.
Mit Kieselsteinen verschiedener Größen baute Manfred Kniel die erste Steinkiste,
in welcher er mit Steinschlegeln spielt, mit den Füßen die Rhythmen artikuliert.
Tableaus mit Steinplatten, auf dem Wege gefundene Steine unterschiedlicher
Formen, Größen und Farben, die frei hängenden Bohrkerne, die ähnlich wie chimes
klingen, die großen Steinplatten, die an Glocken erinnern.
Alles das kam nach und nach dazu.

Inzwischen reibt Manfred Knie auf Steinplatten mit unterschiedlichen Materialien
und Geräten, bohrte in einen Felsblock Löcher, um auf ihnen mit nassen Kieselsteinen
zu spielen, nahm Wasser als Klangelement hinzu, füllte zwei große Schalen und spielt
sie mit den Handoberflächen. Verschiedenste Klangfarben erzeugt er im Wasser,
indem er dieses mit anderen Flüßigkeiten versieht, weicher wird es dadurch im Klang,
einschmeichelnder, wärmer.

So entstand eine umfangreiche Palette neuer Klangmöglichkeiten, die immer alle mit den
Materialien Stein und Wasser, den beiden ursprünglichsten Materialien zu tun haben.

Und so entstand eine neue, eigene Musik, nicht vergleichbar, nicht kopierbar,
nicht mehr ersetzbar.

Sie wird von uns bevorzugt in Kirchen gespielt, möglichst in alten Kirchen, dort, wo der
Steinboden nicht dem Sandsteinboden gewichen ist, sondern noch Teil des
Resonanzraumes ist.

Manchmal ist es kalt dort, 4